»Tchau!« So viel Portugiesisch kannst du jetzt bestimmt schon. Das kannst du gern zur Verabschiedung rufen, wenn du heute Lissabon über die Brücke des 25. April verlässt. Auf der mehr als 2.000 Meter langen Hängebrücke bliebe sogar genügend Zeit, »California Dreaming« zu trällern. Wäre gar nicht so abwegig, weil hier deutlich sichtbar die gleiche Firma am Werk war wie bei der Golden Gate Bridge.
Bevor du heiser und die Dame oder der Herr am Lenkrad nervös werden, wechseln wir die Kunstform. In einer traditionellen Kachelmanufaktur verzierst du, den Pinsel schwingend, deinen ganz persönlichen Azulejo. Zur Not hast du danach wenigstens ein Mitbringsel für den Nachbarn mit dem nervenden Laubbläser.
In Évora EU-PT-ST-Evora8 geht es gelassener zu als in den großen Küstenstädten. Das liegt mitnichten daran, dass es hier nichts zu sehen gibt. Schließlich hat die UNESCO ohne großes Federlesen das gesamte Stadtzentrum zum Weltkulturerbe erklärt: ein römischer Tempel aus dem ersten Jahrhundert, die imposante Kathedrale Basílica Sé Catedral de Nossa Senhora da Assunção und, nicht zu vergessen, die schaurige Knochenkapelle Capela dos Ossos mit Unmengen sichtbar in die Architektur integrierten menschlichen Gebeinen. Am Haupteingang wirst du mit der einladenden Inschrift begrüßt: »Wir, die Knochen, die hier liegen, warten auf Eure.« Da können sie lange warten. Denn wir sind schon auf dem Weg an die Algarve, wo bereits am Nachmittag die erfrischende Meeresluft und herzliche Gastfreundschaft der Hafenstadt Lagos EU-PT-ST-Lagos9 10 11 die düstere Begegnung mit der Vergänglichkeit des Seins ins Reich der Erinnerung verbannt.
Die Algarve ist viel mehr als eine der schönsten Badewannen Europas. Das weißt du allerspätestens nach dem Besuch in Portimao. Einst wichtiger Seehafen der portugiesischen Entdeckungsreisen und Handelsrouten – und anno dazumal mit ähnlich erfolgreichen Schmugglerbanden und Piratenhorden ausgestattet. Heute schippern wir genauso geräuschlos wie zu alten Zeiten an der zerklüfteten Küste vorbei. Nicht mit Windenergie und altehrwürdigen Segeln, sondern via solarbetriebenen Katamaran. Tempus fugit. Oder doch nicht? Denn die Höhlen und Grotten geben sich völlig unbeeindruckt von Spitzfindigkeiten der Zeit. Ob sich dort noch ein alter Schatz finden lässt? Delfine, die ein neugieriges Hallo dalassen, wissen vermutlich mehr – behalten es aber erfahrungsgemäß für sich. Macht nix: Lassen wir uns die Schätze der Region eben bei einem letzten gemeinsamen Abendessen servieren. Und dann spürst du dieses urportugiesische Gefühl, die trostreiche Melancholie, wenn du nach deiner letzten Nacht am Flughafen Faro wieder in den Flieger nach Hause steigst.